Einholtn Ausholtn: Über das, was man Liebe nennt



~ Die Liebe ging verloren, als wir Regeln dafür aufstellten, wie sie sich zu zeigen hat ~ (Paulo Coelho, Der Zahir) Ich glaube daran, dass Liebe im Prinzip was ganz Einfaches ist. Und auch so gedacht ist. Von wem auch immer. Sobald wir aber in Beziehung gehen, wird‘s scheinbar kompliziert. Wir stellen Regeln auf. Wir haben Vorstellungen. Wir haben Erwartungen. Keine Ahnung woher die kommen.

Wir stellen Regeln auf, wie Liebe sich im „Normalfall“ zu zeigen hat. Wir haben Erwartungen, wann, wie oft, und wie stark wir diese Liebe im „Idealfall“ spüren sollten. Wir stellen uns vor, wie es sein sollte, wenn alles perfekt wäre. „Wenn er dich wirklich liebt, dann darf er das nicht tun...“ „Wenn du ihn wirklich liebst, dann zeigt sich das in dieser und jener Form...“ „Eine Beziehung ist dann wirklich perfekt, wenn ...“ Ja, wann ist eine Beziehung denn wirklich „perfekt“? Was darf Liebe und was darf sie nicht? In jedem Kopf schrillt jetzt wahrscheinlich sofort die Antwort „sie darf alles“. Natürlich. Aber erlauben wir es ihr? Wirklich?



Wir alle wollen den romantischen Traum. Und ich bin mir sicher, dass er existiert. Immer wieder. Zwischendurch. Zwischen all den Höhen, all den Tiefen, den Zweifeln, der Liebe, dem Hass, der Anziehung, der Abstoßung, zwischen dem Hin und dem Her. Die große Liebe liegt nicht darin, eine bestimmte Richtung zu verfolgen, um am Ende dort anzukommen, was wir „Happy End“ nennen. Ich glaube, die große Liebe ist ein Weg, der gegangen werden will, und dazwischen, immer wieder, da hält man sich ein, und man hält sich aus. Und wenn man sich treiben lässt, und mit dem Fluss schwimmt, dann stoßen wir auf viele Happy Ends. Immer wieder. Zwischendurch. Bis alles von vorn beginnt.



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