I wär so gern...



... wieder so naiv wie am Anfang.

Für den Entschluss, Musikerin zu werden, muss man schon ein bisl naiv sein. Am Anfang gibt es keine Mauern, nur Möglichkeiten. Träume, unfassbar groß. Fast zu größenwahnsinnig, um sie laut auszusprechen. "Ich werde die erste Dialektkünstlerin, die in der Royal Albert Hall performen wird." Oh wow. Wie naiv. Ist sowas denn möglich? Nein, nein ..... also, vielleicht .... keine Ahnung, vielleicht ist es möglich? Irgendwie? Oh, man zwinkert sich selbst zu, weiß wie größenwahnsinnig dieser Gedanke ist, aber hey, irgendwie auch, naja, spannend, aufregend, reizvoll, phantasievoll. Am Anfang gibt es keine Mauern, und das ist gut so. Am Anfang brauchst du Menschen, die dir die Mauern vorenthalten, die sie ignorieren, oder Menschen, die sie mit dir niederreissen. Es gibt keine andere Option. Nur so kannst du beginnen. Denn die Mauern kommen irgendwann von selbst. Die ersten "das geht nicht", gefolgt von "das hab i mir einfacher vorgestellt", bis hin zu "was, wenn es doch nicht möglich ist"? Oh ja. Plötzlich bist du mittendrin, in einem Spiel, und du lernst die Regeln, du passt dich an, versuchst mitzulaufen, stößt an Mauern, innen und außen. Und du fragst dich - war ich zu naiv? Die Mauern sind Teil des Spiels. Sie sind eingebaut, gemacht, konstruiert, erfunden. Bewacht und befeuert von den Spielern selbst. Man rennt um die Wette, es geht um den Sieg, es werden die Fehler gezählt. Und so kämpft sich jeder durch, befolgt die Regeln, in der Hoffnung irgendwo und irgendwann anzukommen, eine Mauer nach der anderen zu erobern, so wie es sich gehört.


Und dann gibt es die Anderen. Die blutigen Anfänger und die Unverbesserlichen, die Dummen und die Naiven, die Mutigen, und die, die einfach nicht anders können. Die Pioniere. Sie wissen nichts von den Regeln, von den Mauern, oder sie stellen sie in Frage. Und sie suchen Wege, sie steigen höher, oder: sie steigen aus. Sie steigen aus - und beginnen ein neues Spiel. Sie beginnen ihr eigenes Spiel. Sie erfinden ihr eigenes Spiel. Sie erfinden ihre eigenen Regeln. Und plötzlich - plötzlich gibt es keine Mauern, nur Wege. Und die Möglichkeiten kehren zurück, die Phantasie, der Größenwahn - und ganz zum Schluss, das Zwinkern auf deinem Gesicht. Langsam, behutsam, schrittweise. Bis du wieder leise flüstern kannst: Nein, nein ..... also, vielleicht .... keine Ahnung, vielleicht ist es möglich? Irgendwie? .... ;)

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